Pokémon GO und die Berufs-Pessimisten

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Pokémon GO
Pokémon GO holt die Kinder wieder an die frische Luft. Foto: Pixabay (Voltordu)

Seit gerade einmal einer Woche ist „ Pokémon GO “ auf dem Markt und hat dennoch bereits die Welt der Computerspiele revolutioniert. Früher sagten die Eltern zu ihren am PC sitzenden Kindern: „Geh doch mal an die frische Luft!“ In der Regel waren diese gut gemeinten Ratschläge und Aufforderungen nicht von Erfolg gekrönt. Nun braucht es keine besserwisserischen Mütter oder Väter mehr, um die Jugend aus ihren verdunkelten Kinderzimmern zu locken. Dies erledigt heutzutage die moderne Technik.

Die Kinder (und auch Erwachsene) gehen vor die Tür, legen mehrere Kilometer pro Tag zu Fuß zurück, erkunden ihre Umgebung und lernen dabei noch etwas über die Geschichte ihres Heimatortes. Was die Eltern eigentlich glücklich stimmen sollte, ruft jedoch auch die notorischen Mahner und Kulturpessimisten auf den Plan: Das ständige auf-den-Bildschirm-Schauen würde zu inoperablen Haltungsschäden führen, die Aufmerksamkeitsspanne der Spieler noch weiter reduzieren, in eine Parallelwelt abdriften lassen und vieles mehr, so die Berufs-Pessimisten.

Ein deutsches Phänomen

Ich habe das Gefühl, dass in Deutschland die Mahner und Kritiker wieder einmal besonders laut aufschreien. Es ist das gleiche Phänomen, das in nahezu allen Lebensbereichen in der Bundesrepublik in ausgeprägter Form wahrnehmbar ist, und zwar nicht nur, wenn es sich um kleine, bunte Monster auf dem Smartphone handelt: Die Fortschritts- und Technikfeindlichkeit.

Die Deutschen glauben, hinter jeder Hecke eine Gefahr zu erkennen. Die Medien nehmen dies auch noch dankend auf und verstärken die Angstgefühle noch einmal zusätzlich durch reißerische Beiträge, denn Hysterie und Panikmache sorgen für Quote und Klicks. Schaut man jedoch genauer hin, überwiegen fast immer die Vor- und nicht die Nachteile. Nehmen wir zum Beispiel die Verwendung gentechnisch veränderter Lebensmittel: Der „Genmais“ rettete bereits hunderttausenden Menschen in Afrika das Leben, da sie sonst verhungert wären. „Verbieten“, schreien da sofort die deutschen Dauer-Empörten. Ob das die Menschen in Afrika genauso sehen?

Ob in naher Zukunft auch ein Verbot von „ Pokémon GO “ gefordert wird, weiß ich nicht. Vielleicht ist der Hype in einigen Monaten um Pikachu und Co. auch schon wieder vorbei und die Aufregung war mal wieder umsonst.