Brexit: Selbst schuld, junge Briten!

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Marcel Sacha
Die Kolumne von Marcel Sacha.

Nun ist das Ergebnis da. Eine Mehrheit der Briten votierte für den Austritt aus der EU. In nahezu allen großen Nachrichtensendungen und Zeitungen lautete die Analyse: Die Alten hätten über die Zukunft der Jungen entschieden, da die jüngeren Briten zu zwei Dritteln für den Verbleib, die älteren jedoch mehrheitlich für den Brexit gestimmt haben. Das ist allerdings falsch, die Jungen haben selbst schuld. Richtig ist zwar, dass 75 Prozent der zur Wahl gegangenen Briten im Alter von 18 bis 24 Jahren für die Mitgliedschaft in der EU votierten, allerdings haben gerade einmal 36 Prozent in dieser Altersklasse ihre Stimme abgegeben. Dem Rest schien die Zukunft des Vereinigten Königreichs und ihres Lebens egal gewesen zu sein.

Ein Weckruf?

Immer wieder war in den vergangenen Jahren zu lesen, die heutige Jugend in den westlichen Demokratien sei lethargisch, selbstgerecht und gleichgültig. Wer einen Beweis für diese These suchte, wurde in Form des Referendums nun fündig. Wer von seinem Wahlrecht kein Gebrauch macht, muss sich im Nachhinein auch nicht darüber beschweren, von „Alten, Ungebildeten und Verunsicherten“ überstimmt worden zu sein, die vermeintlichen Demagogen und sogenannten „Rechtspopulisten“ auf den Leim gegangen sind. Es reicht eben nicht, ab und zu eine Satire über Nigel Farage, Marine Le Pen oder Geert Wilders in sozialen Netzwerken zu teilen.

Vielleicht war das britische Referendum ein Wendepunkt im Verhalten der europäischen Jugend. Der mittlerweile aufkommende Ruf der jüngeren Generation nach einem zweiten Referendum ist zwar zutiefst undemokratisch, möglicherweise jedoch gleichzeitig ein nicht zu überhörender Wecker, der die europäische Jugend aus dem Tiefschlaf holt.