Interview: Das ist Gehrdens neuer Jugendbürgermeister

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Emre Ölcen
Emre Ölcen verbringt gerne Zeit im Jugendzentrum an der Langen Feldstraße. Foto: Welz

Emre Ölcen (17) kommt gerade aus dem Geschichtsunterricht an der Oberschule in Gehrden. Den Interviewtermin mit dem Burgbergblick hat er in seine Mittagspause gelegt, hinterher muss er nochmal zurück ins Klassenzimmer; weiterlernen. Der 17-jährige trägt einen olivgrünen Pullover, schwarze Jeans, Turnschuhe; als er beim Händeschütteln lächelt, blitzt seine Zahnspange kurz hervor. Seit Mittwoch, den 17. Januar, ist Ölcen Jugendbürgermeister. Im Gespräch mit Burgbergblick-Redakteur Tobias Welz spricht er über Politikverdrossenheit, sein Modelabel und Dinge, die den Jugendlichen in der Burgbergstadt fehlen.

Emre, wie geht es den Jugendlichen in Gehrden?
Ich denke wir haben schon viele Möglichkeiten hier, um etwas zu unternehmen. Zum Beispiel haben wir ein Jugendzentrum (das JuPa in der Langen Feldstraße, Anm. d. Red.) und es gibt auch genügend Angebote in den Sportvereinen. Ich fühle mich eigentlich ziemlich wohl in Gehrden.

Gibt es denn trotzdem etwas, das Dir vor Ort fehlt?
Sicher, es gibt immer Möglichkeiten, Dinge besser zu machen. Besonders bei schlechtem Wetter ist das Freizeitangebot doch eher begrenzt. Das JuPa ist der einzige Hotspot, den es dann gibt. Es ist aber auch nicht mehr das, was es mal war.

Hast Du konkrete Ideen für Verbesserungen?
Wenn ich nach Hannover gucke, gibt es einige Dinge dort, die ich in Gehrden auch gerne hätte. Vor allem gibt es hier zu wenig Veranstaltungen für junge Leute. Ich denke da vor allem an Open-Air-Veranstaltungen und Grillabende im Sommer. Ich will da aber noch nicht zu viel verraten; wenn das Jugendparlament das nächste Mal tagt, werden wir da bestimmt einige Ideen zusammentragen.

Was hast Du Dir für Deine Amtszeit als Jugendbürgermeister vorgenommen?
Ich möchte die Jugendlichen in Gehrden gut vertreten und möglichst schnell möglichst viel für sie tun. Um das tun zu können, müssen wir die Arbeit im Parlament gut organisieren. Außerdem haben wir nur 500 Euro Budget, deswegen brauchen wir jetzt erst einmal Sponsoren, die uns unterstützen wollen.

Was machst Du gerne in Deiner Freizeit?
Ich bin beim SV Gehrden angemeldet und mache da immer freitags Parkour. Und ich habe, als ich 16 war, mein eigenes Modelabel gegründet. Ich entwickele Logos und bedrucke Klamotten und seit neuestem auch Ladekabel. Außerdem bin ich Schülersprecher, da fällt auch immer wieder Arbeit an.

Das klingt so als wärest du gut beschäftigt…
Ja, das ist auch so. Ich muss immer gucken, was ich überhaupt gerade machen kann und was nicht. Wenn ich etwas mache, dann will ich da hundert Prozent für geben können. Was ich anpacke, muss perfekt werden. Das ist mir wichtig!

Warum interessierst Du Dich für Politik?
Das habe ich wohl in erster Linie meinen Eltern zu verdanken und meine Politiklehrerin, Frau Kowalski. Sie hat mein Interesse in der Schule für das Thema geweckt. Und dann natürlich Michael Passior, der Ortsbürgermeister von Leveste. Er unterstützt mich jetzt seit mehreren Jahren.

Es gibt viele junge Menschen, die sich nicht für Politik interessieren. Kannst du das verstehen?
Ich finde das schade. Wir Jugendlichen sollten uns vielmehr in die Politik miteinbringen. Ich frag mich immer, warum wir überhaupt zulassen, dass die Älteren fast alles alleine entscheiden. Wieso entscheiden wir nicht über unsere Zukunft?

(tow)